Ausschuss für Schule und Bildung am 20.05.2026
Schulische Vorkurse in NRW: Was wurde im Landtag diskutiert?
Am 20. Mai 2026 ging es im Landtag NRW um ein wichtiges Bildungsthema: schulische Vorkurse zur Förderung der Sprachkompetenz.
Dazu gab es eine gemeinsame öffentliche Anhörung des Ausschusses für Schule und Bildung und des Ausschusses für Familie, Kinder und Jugend.
Einfach gesagt: Es wurde darüber beraten, wie Kinder vor der Einschulung besser beim Deutschlernen unterstützt werden können.
Wofür sind diese Ausschüsse zuständig?
Ausschuss für Schule und Bildung
Der Ausschuss für Schule und Bildung beschäftigt sich mit Themen rund um Schulen in NRW. Dazu gehören zum Beispiel Unterricht, Lehrkräfte, Schulgesetze, Lernstand und Bildungschancen.
Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend
Der Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend beschäftigt sich unter anderem mit Kitas, Kinderschutz, Familienpolitik und Jugendhilfe.
Bei diesem Thema waren beide Ausschüsse wichtig, weil es um den Übergang von der Kita in die Grundschule geht.
Es geht also nicht nur um Schule. Es geht auch um Kitas, Familien und frühe Förderung.
Warum ging es um Sprachförderung?
Viele Kinder starten in die Schule, ohne ausreichend Deutsch zu können. Das kann den Schulstart deutlich erschweren.
Laut der Zusammenfassung zeigten Schuleingangsuntersuchungen in NRW, dass 2024 rund 33 Prozent der Kinder Sprachdefizite hatten.
Gute Sprachkenntnisse sind wichtig für:
- Lesen und Schreiben,
- Mathematik,
- soziale Kontakte,
- das Verstehen von Unterricht,
- gute Bildungschancen.
Einfach erklärt:
Wer Sprache nicht gut versteht, hat es in der Schule von Anfang an schwerer.
Was plant die Landesregierung?
Die Landesregierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt. Dieser heißt:
Gesetz zur Einführung schulischer Vorkurse zur Förderung der Sprachkompetenz.
Diese Vorkurse werden auch ABC-Klassen genannt.
Was soll passieren?
- Kinder mit Sprachförderbedarf sollen vor der Einschulung besonders gefördert werden.
- Der Sprachstand soll bei der Anmeldung zur Grundschule festgestellt werden.
- Die Kurse sollen im Jahr vor der Einschulung stattfinden.
- Die Kurse sollen an ausgewählten Schulstandorten angeboten werden.
Einfach erklärt:
Kinder, die vor der Schule noch viel Hilfe bei der deutschen Sprache brauchen, sollen ein Jahr lang verpflichtend zusätzliche Förderung bekommen.
Was kostet das?
Laut Zusammenfassung rechnet das Land langfristig mit vielen zusätzlichen Stellen und hohen Kosten. Ab 2028 wären rund 1.100 zusätzliche Lehrerstellen nötig. Ab 2029 könnten es rund 1.650 Stellen sein.
Wer wurde angehört?
Bei der Anhörung wurden Fachleute, Verbände und Organisationen beteiligt. Sie sollten ihre Einschätzung zum Gesetzentwurf geben.
Dazu gehörten unter anderem:
- kommunale Spitzenverbände,
- Prof. Dr. Timm Albers von der Universität Paderborn,
- Dr. Seyran Bostanci vom DeZIM,
- Prof. Dr. Renate Zimmer von der Universität Osnabrück,
- der Kinderschutzbund NRW,
- der Paritätische NRW,
- die GEW NRW,
- Fröbel e.V.,
- die Landesschüler*innenvertretung,
- der Verband Bildung und Erziehung NRW.
Einfach erklärt:
Der Landtag hat nicht nur Politikerinnen und Politiker sprechen lassen. Auch Menschen aus Wissenschaft, Kita-Praxis, Kommunen und Verbänden wurden einbezogen.
Was sagen die Fachleute?
Viele Fachleute erkennen an:
Sprachförderung ist wichtig. Es muss etwas passieren.
Gleichzeitig gab es aber viel Kritik am konkreten Weg der Landesregierung.
1. Kritik der Kommunen
Die kommunalen Spitzenverbände sehen große Probleme bei der Umsetzung.
- Es fehlen Räume an vielen Schulen.
- Es fehlt Personal.
- Der Transport kleiner Kinder wäre schwierig.
- Die Kommunen fühlen sich nicht ausreichend eingebunden.
- Aufsicht, Haftung und Kinderschutz seien noch nicht klar genug geregelt.
Einfach erklärt:
Die Idee klingt einfach. Die praktische Umsetzung wäre für Städte und Gemeinden aber sehr schwierig.
2. Kritik aus der Wissenschaft
Prof. Dr. Timm Albers hält bessere Sprachförderung ebenfalls für notwendig. Er kritisiert aber, dass dafür neue schulische Parallelstrukturen entstehen sollen.
Er empfiehlt, stärker auf Kitas, bestehende Beobachtungsverfahren und die Zusammenarbeit zwischen Kita und Schule zu setzen.
Besonders wichtig ist dabei das Verfahren BaSiK. Damit kann Sprachentwicklung in Kitas über längere Zeit beobachtet werden.
Einfach erklärt:
Viele Fachleute sagen: Kinder sollten dort gefördert werden, wo sie schon sind — also in der Kita.
3. Kritik der Wohlfahrtsverbände
Der Paritätische NRW und Fröbel e.V. kritisieren ebenfalls den Aufbau neuer ABC-Klassen.
Sie sagen: Kitas leisten bereits wichtige Sprachförderung. Statt neue Kurse an Schulen aufzubauen, sollten Kitas besser ausgestattet werden.
- bessere Personalschlüssel,
- mehr Fortbildung,
- gute Sprachbeobachtung,
- mehr Unterstützung für Familien,
- bessere Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule.
4. Kritik aus Sicht des Kinderschutzes
Der Kinderschutzbund NRW warnt davor, Kinder mit Förderbedarf zu stark auszusortieren.
Die Sorge ist:
- Kinder könnten stigmatisiert werden.
- Der Wechsel in eine fremde Umgebung könnte belasten.
- Ein einzelner Test könnte Kinder falsch einschätzen.
- Kinder brauchen Sicherheit, Bindung und vertraute Bezugspersonen.
Einfach erklärt:
Sprachförderung darf Kinder nicht zusätzlich verunsichern oder ausgrenzen.
Wo liegt der zentrale Streit?
Der Streit dreht sich nicht um die Frage, ob Sprachförderung wichtig ist. Darüber besteht weitgehend Einigkeit.
Der Streit dreht sich um die Frage:
Soll Sprachförderung in eigenen schulischen Vorkursen stattfinden, oder sollen Kitas und der Übergang zur Grundschule gestärkt werden?
Die Landesregierung setzt auf verpflichtende schulische Vorkurse. Viele Sachverständige wollen dagegen die Förderung stärker in den Kitas belassen und diese besser ausstatten.
Warum ist das wichtig für Kinder?
Für Kinder geht es um einen guten Start in die Schule.
Sprache entscheidet stark darüber, ob Kinder dem Unterricht folgen können, ob sie Freunde finden und ob sie sich sicher fühlen.
Wichtig ist aber auch:
- Kinder brauchen vertraute Bezugspersonen.
- Kinder lernen im Alltag.
- Kinder sollten nicht beschämt oder aussortiert werden.
Einfach erklärt:
Gute Sprachförderung soll Kindern helfen, ohne sie zu überfordern.
Warum ist das wichtig für Eltern?
Für Eltern geht es um Planung, Vertrauen und Unterstützung.
Wenn ein Kind an einem zusätzlichen Vorkurs teilnehmen muss, stellen sich viele praktische Fragen:
- Wo findet der Kurs statt?
- Wie kommt das Kind dorthin?
- Wer betreut das Kind?
- Was passiert mit dem Kita-Platz?
- Wie werden Eltern informiert und beteiligt?
Einfach erklärt:
Gute Förderung funktioniert nur, wenn Eltern verstehen, was passiert, und wenn der Alltag der Familien mitgedacht wird.
Warum ist das wichtig für Kitas?
Kitas sind schon heute ein zentraler Ort für Sprachbildung. Dort erleben Kinder Sprache im Alltag: beim Spielen, Essen, Vorlesen, Streiten und Erzählen.
Viele Fachleute sagen deshalb:
Kitas sollten gestärkt werden, statt neue Strukturen neben ihnen aufzubauen.
Dafür bräuchten Kitas aber bessere Bedingungen:
- mehr Personal,
- mehr Zeit,
- Fortbildungen,
- gute Diagnoseinstrumente,
- bessere Zusammenarbeit mit Grundschulen.
Warum ist das wichtig für Schulen?
Grundschulen sollen Kinder aufnehmen, die möglichst gut vorbereitet sind. Wenn viele Kinder mit Sprachproblemen starten, wird der Unterricht schwieriger.
Gleichzeitig haben viele Schulen selbst große Probleme:
- Lehrkräftemangel,
- Raummangel,
- Ganztagsausbau,
- hohe Belastung der Schulleitungen,
- viele unterschiedliche Förderbedarfe.
Einfach erklärt:
Schulen brauchen gute Vorbereitung der Kinder, dürfen aber nicht mit neuen Aufgaben überlastet werden.
Mein Fazit
Die Anhörung zeigt: Das Problem ist real. Viele Kinder brauchen vor der Einschulung bessere Sprachförderung.
Aber der geplante Weg über verpflichtende schulische Vorkurse ist umstritten.
Viele Fachleute fordern stattdessen:
- Kitas stärken,
- bestehende Verfahren wie BaSiK nutzen,
- Familien besser einbinden,
- Übergänge zwischen Kita und Schule verbessern,
- keine neuen Parallelstrukturen schaffen.
Sprachförderung ist wichtig. Entscheidend ist aber, wie sie umgesetzt wird.
Genau deshalb ist diese Anhörung wichtig: Sie zeigt, wie ein Gesetz im Landtag geprüft wird, bevor darüber endgültig entschieden wird.
Quellen
Chancen NRW: Landesregierung fördert Sprach-Kitas
Landtag NRW: Einladung zur gemeinsamen Anhörung am 20. Mai 2026
Landtag NRW: Gesetzentwurf zur Einführung schulischer Vorkurse
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